Rollkur & Co.

Chrissie Brickwedde

 

Ironie pur ist das oben gezeigte Bild und leider die Wahrheit in vielen Ställen und auf Turnieren. Vom kleinen Kind bis zum erfolgreichen Turnierreiter sieht man immer wieder diese unschönen Szenen. Rollkur (dabei wird dem Pferd der Kopf regelrecht auf die Brust gezerrt) ist aber nur die Spitze des Eisberges für mich. Schon viele kleine Dinge mit großen Auswirkungen sollten sich dringend ändern.

  • Jeder Anfänger sollte erst einmal das Einmaleins im Umgang mit Pferden lernen, dazu zählen auch Putzen, Satteln, korrektes Führen. 
  • die Pferdehaltung muss dringend verbessert werden. Es ist NICHT artgerecht ein Pferd fast ausschließlich in der Box zu halten! Raus an die frische Luft, am besten Rund um die Uhr – zumindest tagsüber stundenweise mit Sozialkontakt.
  • Ihr wundert Euch über durchgedrehte Pferde? Hört auf sie mit Unmengen an Kraftfutter vollzustopfen, reduziert es und erhöht dagegen das Raufutter endlich wieder auf Normalmaß! Dazu ausreichend Bewegung – die Pferde werden es Euch danken!
  • Was mich unglaublich ärgert: die Pferde stehen die meiste Zeit in den Boxen mit angelaufen (dicken) Beinen und werden weder vor noch nach dem Reiten ausreichend im Schritt bewegt! Eine halbe Runde Schritt ist keinesfalls ausreichend!! Sofort nach dem Aufsteigen wird getrabt und galoppiert was die Pferdelunge hergibt, enge Wendungen geritten und die Pferde haben nicht mal die Chance sich zu dehnen, da sie konstant durch s Genick (bei vielen extrem hinter der Senkrechten!!) geritten werden. Nach 20 Minuten ist dann oft schon Schluss und das arme Tier kommt schwitzend und pumpend wie ein Maikäfer wieder zurück in die Box. Dagegen wird Shaman 10 – 20 Minuten (die Gelenke brauchen 20 Minuten bis sie ausreichend “geschmiert” sind) vor und nach der Arbeit im Schritt bewegt – mindestens! Was nicht heißt, dass er dabei lustlos durch die Gegend schlurfen darf. Der Schritt ist die Mutter des Galopps und wer schon mal versucht hat exakte Wendungen im Schritt zu reiten, weiß wie anspruchsvoll und arbeitsintensiv diese Gangart sein kann. Nehmt Euch ein Beispiel an den militärischen Richtlinien aus dem letzten Jahrhundert: Wurde ein Pferd dort mal nicht von seinem Reiter gebraucht, so war es Aufgabe des Pflegers das Pferd täglich zwei Stunden im Schritt zu reiten! Im Übrigen dauert es zwei Stunden bis die angelaufen Beine eines Pferdes wieder auf Normalmaß schrumpfen. Auf meine Nachfrage hin, warum denn nicht warmgeritten wird bekomme ich immer wieder zu hören: Weil ich keine Zeit habe! Dann schafft Euch kein Pferd an oder lasst es bevor Ihr kommt in die Führanlage stellen!
  • Bitte packt Eure Pferde auch nicht so übermäßig warm ein. Wenn sie nicht geschoren sind und im warmen, miefigen Stall stehen müssen, reichen Abschwitzdecke nach dem Reiten (nach 15 Minuten abnehmen!!) und eine leichte Stalldecke. Viele Pferde werden zudem so oft gewaschen und durchgeschrubbt, dass sie sehr schuppiges Fell bekommen, was kaum noch natürlichen Schutz aufweist. Wer ein Offenstallpferd hat macht sich nur selten die Mühe, Sattellage und Hufe müssen vom Dreck befreit sein, der Rest wird nur grob gesäubert.
  • Bitte fühlt Euch nicht nur für Euer Pferd verantwortlich, sondern auch die Eurer Mitmenschen! Wenn Euch auffällt, dass Decke oder Halfter schief hängen, dann korrigiert dies doch bitte oder sagt wenigstens jemandem bescheid! Leiht Euch nicht ungefragt Sachen aus und gebt sie nicht verdreckt zurück. Ohne unser Wissen wurden z.B. auch schon Shamans Gamaschen aus dem Schrank entwendet, später fanden wir sie total verdreckt und voller fuchsfarbenem Fell vor der Sattelkammer wieder..Gerten und Peitschen werden generell geklaut, wenn man sie nicht wegschließt – sogar Futter verschwindet gerne mal…
  • Besonders beliebt ist auch immer wieder die schlechte Laune am Pferd auszulassen, es mit Sporen zu traktieren und vorne immer mehr zusammen zu schnüren. Es ist nicht IMMER das Pferd schuld, sondern der Reiter. Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber das Pferd kann immer nur so motiviert sein wie wir selbst. Lieber einen Gang runter schalten und relaxen. Anstatt zu lästern, bietet doch lieber Eure Hilfe an! Der Ton macht die Musik und über entsprechende Hilfe und konstruktive Kritik wird sich jeder vernünftige Reiter freuen.
  • Turnier- vs. Freizeitreiter: Gaaanz besonders nervt es mich, wenn wir mit mehreren in der Halle sind und ich einfach über den Haufen geritten werde! Gerade mit Shaman ist das sehr heikel, mag er das Pferd nicht, kann er uns alle blitzschnell ins Krankenhaus befördern. Betreffende Personen sind glücklicherweise nicht mehr dort, früher haben sie aber rücksichtslos Lektionen abgespult und die Vorfahrtsregeln missachtet. Dabei sind wir schon oft so nett, dass wir uns der Hand anpassen auf der geritten wird (also rechts oder links herum), beim Auf- und Absteigen anderer Reiter nur im Schritt gehen (Sicherheit geht immer vor!!) und im Schritt generell auf dem dritten Hufschlag (also weiter innen) gehen. Wenn Ihr spezielle Lektionen reiten wollt, dann macht doch bitte eine kurze Ansage und fragt nach, ob man Euch für die Zeit den Hufschlag freimacht! Ist doch kein Problem. Wie oft musste ich Shaman teilweise im Galopp von 100 auf null in einem Wimpernschlag bremsen, weil vorher keine Ansage kam! Auch hier bekommt man dann nur pampige Antworten, schließlich sind wir ja “nur” Freizeitreiter und können froh sein, dass wir überhaupt die Halle nutzen dürfen 😉
  • Auch im Gelände wünsche ich mir mehr Rücksicht. Ihr seht andere Reiter, Spaziergänger etc. vor oder hinter Euch? Das Gesetz schreibt vor 200 m davor und danach Schritt zu gehen.

Ein wenig mehr Rücksicht untereinander und Interesse am und für s Pferd würde so viel mehr helfen. Richtige Fütterung und Haltung, korrekteres (vor allem entspannteres) Reiten, ein wenig mehr Höflichkeit – jeder kann seinen Beitrag dazu leisten.

Beim Hund gibt es ja jetzt die Aktion “gelbe Schleife”, heißt: wenn Ihr einen Hund seht, der eine gelbe Schleife an der Leine hat – bitte Abstand halten. Vielleicht ist der Hund ängstlich oder krank. Was mich wieder zum Pferd bringt. Schläger und Beißer bekommen rote Schleifen in den Schopf und Schweif zur Warnung an andere Reiter. Aber was bastel ich Shaman für eine Farbe dran? Ich mein er mag ja nur Stuten und alles was kleiner als er ist nicht 😉

Shaman und ich sagen Danke für s Lesen 🙂 (Foto Februar 2010)

12

 

 

Advertisements

25 thoughts on “Rollkur & Co.

  1. Dein Pferd hat es gut, natürlich werden die Pferde, mit denen sich Menschen Geld verdienen auch ordentlich versorgt, damit sie nicht krank werden und somit finanziellen Verlust einbringen, aber von allem, was das Tier widernatürlich erleiden muss, wird nicht geredet, eine gute Anleitung von dir, aber sie wird nur von echten Tierliebhabern beachtet, schönen Mittwoch, Kaus

  2. Ich halte von den meistens Hilfszügeln nicht sehr viel. Früher im Reitstall haben ab und zu mal einen Halsverlängerer benutzt, aber ansonsten haben wir alle Abstand davon genommen. Wenn das Pferd korrekt an den Hilfen steht, wandert der Kopf von ganz alleine in die Senkrechte, aber dafür muss man eben korrekt sitzen und reiten.
    Einen Anfänger ohne großen Kontakt auf’S Pferd zu lassen ist für mich ein No-Go. Ich habe schon ein paar Anfängerstunden an der Longe gegeben und ich fange immer mit ein bisschen Theorie am lebenden Objekt an. Die Anfänger sollen schließlich das Pferd von den Nüstern bis zu Schweifwurzel kennen, ehe man sie darauf los lässt.
    Wenn Pferde nur im Stall gehalten werden und nur zum reiten raus kommen, dass ärgert mich auch ungemein. Pferde sind sehr soziale und gesellige Tiere – man sagt ja nicht umsonst Herdentier – und sie brauchen viel Bewegung. Bei uns war es immer so, dass die Pferde im Sommer den ganzen Tag draußen waren und im Winter mussten sie nur nachts in den Stall.
    Zu viel Kraftfutter ist ungesund. Punkt. Es ist wie wenn man einem Kind zu viel Zucker gibt. Es ist dann ja auch total aufgedreht. Pferde, die unter dem Sattel arbeiten brauchen etwas Kraftfutter, aber man sollte es nicht übertreiben. Lieber viel Heu, ist gesünder für die Tiere. In der freien Natur ernähren sie sich ja auch hauptsächlich von Gras.
    Warmreiten ist ein absolutes Muss! Wenn wir Menschen uns sportlich betätigen, wärmen wir uns schließlich auch vorher aus, sonst gibt es bösen Muskelkater und wir schaffen nicht unsere Höchstleistung. Das ist bei Pferden nicht anders. 20 bis 30 Minuten aufwärmen sollten immer sein.
    Vom Eindecken halte ich auch nicht besonders viel. Nach der Arbeit eine Abschwitzdecke bis das Pferd wieder trocken ist, ist okay, damit sich das Tier nicht erkältet, aber ansonsten kommt höchstens bei Krankheit eine Decke drauf.
    Ich persönlich bekomme ja einen mittelschweren Wutanfall, wenn ich sehe, dass Personen, die nicht damit umgehen können, Sporen tragen. Sporen gehören an die Stiefel von erfahreren Reitern, die höhere Klassen reiten. Ich reite auf A bis L-Niveau, aber selbst da brauche ich keine Sporen.
    Es gibt Regeln, wie man sich in der Halle oder auf Platz als Reiter zu verhalten hat. Das fängt schon mit dem Betreten an. Ich finde es schlimm, wenn einige Reiter denken, nur weil sie ein größeres oder besser ausgebildetes Pferd haben, dass sie dann automatisch Vorfahrt haben. Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme sind hier die Schlüsselwörter.
    Das Gesetz mit dem 200 m kannte ich zwar nicht, aber bei Spaziergängern und ähnlichem im Gelände reite ich automatisch im Schritt vorbei. Aber ich würde es sehr begrüßen, wenn auch Spaziergänger mit Hund etwas mehr Rücksicht nehmen würden und ihre Hunde an die Leine nehmen oder stehen bleiben. Wenn Pferd oder Hund schreckhaft sind, kann viel passieren.

    • Sorry für den langen Kommentar. Es ist grad so über mich gekommen. 😉
      Ach und rote Schleifen habe ich bisher immer nur auf Turnieren oder bei der Fuchsjagd (ohne echten Fuchs) gesehen. In der Halle oder auf dem Platz ist mir noch keine begegnet.

      • Sorry? Neee, danke für den ausführlichen Kommentar, dem ich mich nur anschließen kann 🙂 Ich kenn s im heimischen Stall nur bei neuen Pferden mit den Schleifchen. Wenn jeder weiß wie das Pferd tickt, braucht man s ja eh nicht mehr 😉 Die einzige Art von Hilfszügel die mir ans Pferd kommt sind Dreieckszügel. So können die Pferde von allein die richtige Haltung erlernen, sich weit nach unten und zur Seite dehnen, aber den Kopf nicht hochreißen. Erwähnenswert wäre noch, dass bitte niemand, aber auch wirklich niemand mit Ausbindern etc. ins Gelände gehen sollte.

  3. Ich kenne ein paar, die ein Martingal benutzen, wenn sie ins Gelände gehen. Also bei mir kommen keine Hilfszügel ans Pferd, wenn es ins Gelände geht – auch wenn ich mir schon manchmal gedacht habe, dass es praktisch wäre, wenn das Pferd zu stürmisch ist und mir fast die Zügel aus der Hand reißt, wenn wir ein Stück galoppieren.

  4. Gut, dass du das mal geschrieben hast…das mit etwas mehr Rücksicht gilt für alle Lebensbereiche. Irgendwie werde ich das Gefühl aber nicht los, dass das Gegenteil der Fall ist. Und auf Tiere wird schon gar nicht Rücksicht genommen.
    LG
    Ute

    • Das stimmt leider. Genau darum wollt ich das Thema noch mal ansprechen. Wir können nur uns selbst ändern und bemühen rücksichtsvoll mit unserer Umwelt umzugehen..

      Grüßle ♥

  5. Interessant – mit vielen Dingen habe ich mich nie beschäftigt, weil ich selbst nicht reite und wir kein eigenes Pferd haben. Aber meine Kinder reiten beide seit vielen Jahren Islandpferde und haben auch schon Praktikum auf dem Hof gemacht. Rollkur kennen sie wohl dort gar nicht und auch die anderen Aspekte scheinen in Ordnung zu sein und gut zu laufen … Da haben wir wohl Glück 🙂 1001 Grüße

    • Es freut mich das zu hören, Isländer sind tolle Pferdchen 🙂 Leider gibt es auch im Islandsport viele unschöne Szenen – Gewichte und Manipulationen an Hufen und Gelenken und schwere Reiter auf kleinen Isis – nur um sie schneller laufen zu lassen…

      Liebe Grüße ♥

  6. I used to enjoy watching horse races. But then I started learning about how some of the owners treated the horses and now I can’t support it. Animals should not be treated as commodities–they are beautiful and deserve respect.

    • Race horses are trained way too young. A horse should not be ridden at all before the age of 3 (better 4 or 5!!), but they are ridden first time between 12 – 18 months so that they can start their career with 2 years…Also races with jumps are just dangerous and no fun at all. I m glad that you are an animal lover and look behind the scenes ♥

  7. Ich finde es klasse, dass Du das alles ausführlich angesprochen hast! Rücksichts- und respektvoller Umgang mit Pferd und dem Reiter der oben drauf sitzt, ist eine Frage des Charakters! Nicht jeder Mensch besitzt einen solchen. Das zeigt sich leider auch in weiteren Bereichen des Lebens…

    LG Susanne ♥

    • Heute waren wir mit gleich drei Jungpferden in der Halle, davon zwei an der Longe und nur ein Wallach 😉 Das war für alle sehr aufregend, aber hier zeigt sich das rücksichtsvolles Reiten auch so gut funktioniert 🙂 Dennoch war ich froh, dass Shaman so gut erzogen ist, dass er zwar droht, aber nicht beißt oder schlägt*auf Holz klopf*..wir waren mit einmal nämlich regelrecht umzingelt..Stute linke Hand außen im Galopp, wir rechte Hand innen im Trab und direkt rechts neben uns die Stute auf dem Zirkel im Galopp 😉

      Knuddel ♥

  8. Ich kenne mich mit Pferden nicht aus, ich habe immer Freude dran wenn ich sie auf der Weide rennen sehe oder wenn ich Leute in der freien Wildbahn reiten sehe, hier sieht man das das Pferd freude hat und der Reiter, am besten gefallen mir die wo im Urlaub so mehr Tagesetappen mahen, das muss ja auch schön für beide sein.
    Manchmal kommt es mir vor wie bei manchen Hundebesitzern, die haben zu Haus nichts zusagen und lassen es dann am Hund aus…..
    L.G. und schöne Grüße an Diego

    • Wenn der Spaß im Vordergrund steht, klappen auch höhere Lektionen. Je verspannter man selbst ist, umso verkrampfter läuft auch das Pferd. Aber die Richter heutzutage benoten ja lieber verspannte Strampler mit Höchstnoten, als reel ausgebildete Pferd-Reiter-Paare.. Ein Wanderritt ist eine tolle Sache, man muss sich nur gut drauf vorbereiten. Aber auch kleine Runden durch s Gelände sind einfach nur schön 🙂

      Liebe Grüße und feuchter Schlabberschmatz von Diego 🙂

  9. Pingback: Alltag im Stall | Wolke's Welt 3

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s