Fehler in der Hundeerziehung

In den letzten Wochen ist es mir vermehrt aufgefallen, dass viele Hunde abgegeben wurden, weil sie oft aus Unsicherheit geschnappt haben oder ganz einfach ihre Menschen nicht ernst nehmen und machen was sie wollen..Auch aus meinem privaten Umfeld kenne ich einige Fälle, wo typische „Anfängerfehler“ gemacht wurden, sich schlechtes Verhalten entwickelte und es nun lange dauern wird, diese wieder zu korrigieren.

Dabei ist es so einfach von Anfang an klare Regeln & Grenzen zu setzen. Auch ich habe lange unbewusst immer wieder die gleichen Fehler gemacht und bin froh, dass ich jetzt weiß wie es richtig geht.

Viele Wege führen bekannter maßen nach Rom, auch in der Hundeerziehung. Aber es gibt elementare Dinge, die JEDER beachten muss. Nicht nur der Hundehalter, sondern auch jeder Besucher, jedes Familienmitglied usw.

Pferde & Hunde sind gar nicht so verschieden was das angeht, vieles was ich beim Pferd beachten muss, gilt auch für den Hund. Was sich immer wieder heraus kristallisiert, ist die Energie & Körpersprache. Unsichere, wütende, traurige Menschen, mit schlaffer Körperhaltung senden die falschen Signale. Sie werden nicht mehr ernst genommen und der Hund versucht sich in der Rolle des Rudelführers, was nicht selten zu schwerwiegenden Problemen führt.

Ich werde versuchen nun die für mich wichtigsten Punkte wiederzugeben, eine riesige Hilfe war dabei Cesar Millan. Sehr einfach und verständlich lassen sich seine Tipps umsetzen, ich kann seine Bücher etc. nur empfehlen.

Ein neues Familienmitglied – der Hund – zieht ein

  1. Bevor der Hund in die Wohnung/ das Haus gebracht wird, ist es ratsam eine Runde Gassi zu gehen. Der Hund wird dabei einen Teil seiner angestauten Energie los, kann einen Eindruck von seiner neuen Umgebung gewinnen und wird deutlich ruhiger in sein neues Heim geführt.
  2. Egal vor welcher Tür ihr mit dem Hund steht, IHR  geht in jedem Fall zuerst, im Idealfall folgt der Hund erst auf Zeichen von euch. Stürmt der Hund vor euch rein oder rempelt euch permanent an, habt ihr schon „verloren“ – und zwar den Platz als Rudelführer.
  3. In der Wohnung/ dem Haus sollte der Hund nicht uneingeschränkten Zugang zu allen Räumen haben. Auch in der freien Natur im Rudel gibt es Plätze, die ein rangniederer Hund nicht ohne „Einladung“ betreten darf. So sollte z.B. das Schlafzimmer tabu sein oder das Bad nur nach Aufforderung betreten werden. Auch auf die Couch geht es nur nach Aufforderung, nicht allein.
  4. Fütterung: Der Hund wird erst gefüttert, wenn er eine ruhige Haltung angenommen hat und vor allen Dingen erst NACH DEM  der Mensch gegessen hat. Ich weiß, es ist schwer einem fröhlich rumspringenden, vor lauter Freude quietschendem Wauzi sein Futter vorzuenthalten – ABER wenn wir dem Hund in dieser Haltung das Futter geben, gewöhnt er sich an es lautstark zu verlangen und so lange zu nerven, bis der Mensch nachgibt. Genau das gilt es zu vermeiden. Also beanspruchen wir den Futterplatz erst mal für uns (Anspringen wird mit dem entsprechenden Kommando unterbunden) und warten bis der Hund sich setzt oder hinlegt und eine ruhige, gehorsame Haltung annimmt. Erst dann gibt es Futter.
  5. Wenn Besucher kommen, wird grundsätzlich zuerst der Mensch begrüßt, erst später der Hund. Der Mensch freut sich, wenn ein Hund an ihm hochspringt und ihn „begrüßt“ , übersieht dabei jedoch, dass es für den Hund keine Begrüßung ist, sondern dieser ihn gerade anpöbelt. Ständiges Anrempeln, Hochspringen, auf die Füße setzen ist immer ein Zeichen von Dominanz und sollte nie von dem Hund ausgehen.
  6. Viele haben das Problem, dass ihre Hunde nicht alleine bleiben können. Es ist natürlich von Hund zu Hund verschieden, wie lange dieser allein bleiben kann. ABER die meisten Hundehalter haben auch dieses Problem selbst verschuldet. Wenn wir das Zimmer oder die Wohnung verlassen, verabschieden wir uns NICHT  von dem Hund. Nicht mit einem Blick, nicht mit einem Wort, nicht mit einer Berührung. Gleiches gilt wenn wir wieder kommen. Für einen Rudelführer ist es das Natürlichste der Welt einfach zu gehen und wieder zu kommen, wenn es ihm beliebt. Auch eine Hündin verabschiedet sich nicht von ihren Welpen! Die Natur lebt es uns vor und wir sollten uns daran halten um den Hund nicht zu verunsichern. Erst wenn wir eine Weile wieder da sind und der Hund eine ruhige, gehorsame Haltung hat, wird er von uns begrüßt.
  7. Bewegung, Disziplin und erst dann kommt die Zuneigung, nicht umgekehrt.
  8. Viele denken sie können einem Hund nur körperlich weh tun, gerade unsichere Hunde leiden aber seelisch und stehen permanent unter Stress, wenn sie nicht wissen wo ihr Platz im Rudel ist und sie sich ständig verpflichtet fühlen Situationen selbst in die Pfote nehmen zu müssen, weil von den Menschen keine klaren Signale kommen.
  9. Auch wenn es schwer fällt, aber den Hund den ganzen Tag mit Zuwendung zu überschütten ist nicht der richtige Weg. Geht eurem Alltag nach wie ihr es gewohnt seid und achtet dabei auf eure Energie. Seid nicht immer für den Hund verfügbar, wie er es wünscht, dass alles schwächt eure Position. Und glaubt mir, die Liebe & Zuwendung kommt nicht zu kurz. Aber sie wird besser eingeteilt. Idealerweise läuft der Hund auch an der Leine etwas hinter bzw. neben euch, aber nicht davor. Wer vorne geht, der führt und das solltet ganz klar ihr sein.
  10. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer es manchmal ist, sich zurück zu halten und all diese Ratschläge zu befolgen. Aber sie funktionieren und die Hunde sind viel ausgeglichener. Darauf kommt es doch an, gell?
  11. Ganz wichtig ist für mich, dass auch der Name des Hundes niemals böse gerufen werden darf. Lieber einmal laut in die Hand klatschen, wenn der Hund unaufmerksam ist. Kommandos immer im gleichen ruhigen Tonfall geben, niemals hektisch oder gereizt. Und bitte stellt euch bildlich vor, was ihr erreichen möchtet. Wenn ihr bereits mit dem Gedanken zum Hund geht, was alles schief laufen kann, strahlt ihr negative Energie aus, auf die der Hund entsprechend reagieren wird. Seid ihr dagegen selbst ruhig und ausgeglichen, mit einem positiven Bild im Kopf, dann wirkt sich auch das wiederum auf den Hund aus.
  12. Eine gute Hundeschule ergänzt idealerweise, jeder Hund ist unterschiedlich und so sollte auch jeder Hundetrainer individuell auf diesen eingehen. Lehnt eine Hundeschule oder ein Trainer generell „Problemfälle“ ab, Finger weg! Ein guter Trainer findet für jedes Problem eine Lösung!
  13. Der Hund lebt im „Hier und Jetzt“, egal welche Vorgeschichte der Hund hat, niemals bemitleiden! Diese Energie verunsichert den Hund und schwächt das Vertrauen in euch als Rudelführer. Es geht niemals darum den Hund mit Gewalt zu etwas zu zwingen oder ihn zu dominieren, sondern ihm durch Konsequenz & Disziplin zu zeigen, welches Verhalten wir uns von ihm wünschen.
  14. Denkt bitte auch an rassespezifische Verhaltensweisen bevor ihr einen Hund anschafft. Ein Border-Collie hat im besten Fall eine Schafherde zum Hüten (sonst sind es irgendwann die Kinder!), Rassen wie Beagle oder Jagdhunde brauchen ein Training in dem sie ihre Nase einsetzen, Dinge aufspüren dürfen usw.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Wenn ihr auf einen Hund trefft, dann versucht nicht sofort ihn zu streicheln, auch wenn er auf euch zukommt und euch beschnuppert. Das dient dem Hund als Einschätzung ist aber noch lange keine Aufforderung. Unter Umständen fasst der Hund dies als Bedrängen auf, knurrt oder schnappt. Bitte auch kein Anstarren! Viel zu oft verfolgen wir den Hund regelrecht mit Blicken. Wartet einen kleinen Moment und fordert erst dann den Hund auf näher zu kommen.

Wer sich ein Tier anschafft sollte sich im Vorfeld immer auch mit der Psychologie beschäftigen und es nicht vermenschlichen. Dann steht einem langen, glücklichen Zusammenleben nichts im Weg 🙂

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14 thoughts on “Fehler in der Hundeerziehung

  1. ganz toll hast du hier beschrieben, was man alles beachten muss , wenn man sich einen Hund anschafft, es werden da so viele Fehler gemacht, Hauptsache Hund haben und das wars, ich finde,manchen sollte man gar keine Hunde anvertrauen, ich wünsche ein ganz tolles WE, KLaus

  2. Hallo Wolke,
    das finde ich ist ein ganz prima Artikel. Einiges davon wusste ich ja bereits, aber Manches war mir auch noch neu. Mal sehen, was ich davon auch jetzt noch bei unserer Sally umsetzen kann. Schließlich ist sie ja schon etwa 7 Jahre bei uns, und in der Zeit haben ich bestimmt Vieles falsch gemacht. Aber wohl auch – hoffentlich – ein paar Dinge richtig. Jedenfalls kommen wir hier gut miteinander aus. Und weggeben, wenn einmal etwas schief geht, würde ich sie nie und nimmer. Bei uns gilt: wenn wir ein Tier aufnehmen, dann ist es für immer.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

    • Hallöchen, es kommt ja auch immer auf den Hund an. So springt die Boxer-Maus meiner Friseurin sie erst mal über den Haufen, wenn sie nach Hause kommt, sonst läuft aber alles bestens. Grundsätzlich sollte man sich aber wirklich an die wichtigsten Dinge halten. Und ein Hund ist nie zu alt um zu lernen, auch wenn es vielleicht länger dauert 🙂 Liebe Grüße und ein großer Knuddler für die Fellnasen 🙂

  3. Ich habe ja keinen Hund und werde wohl nie einen haben, ich find das toll das du das mal bloggst. Echt ich hasse das , wenn mich fremde Hunde anspringen und die Besitzer lachen und meinen *ach der tut doch nix* … ich sag dann, ich habe Angst vor Hunden und ich mag das nicht!, dann ernte ich nur Kopf schütteln… also meiner ist so lieb , da brauchst du doch keine Angst haben… hab dich mal nicht so …tz … ich streichle auch mal so ein Hundi, aber dann muss das von mir kommen… echt ich hasse das wenn die mich voll anspringen 😉

    • Das kann ich verstehen, das mag ich genauso wenig – vor allem, wenn ich den Hund nicht kenne und einschätzen kann. Viele Besitzer sehen einfach nicht, dass das für Hunde pöbeln ist um uns zu maßregeln. Als wir Arko (großer schwarzer Schäferhund) als Pflegehund aufgenommen haben, hat er immer gewartet, bis das Kommando dafür kam, dass er sich auf die Hinterbeine stellen und seine Pfoten auf den Arm legen durfte. Allerdings hat er es auch schamlos ausgenutzt, dass ich so kitzelig bin und dann keine klaren Kommandos vor Lachen geben kann..da hat er mir dann gezielt seine Pfoten in die Hüfte gedrückt und ist wie ein Wahnsinniger um mich rum gehüpft. Heute wüsste ich wie ich das Verhalten unterbinde und dass ich ihm die Leine erst anlege, wenn er ruhig gehorsam ist. Sein neues Herrchen, ein sehr bestimmter Opa, hat aber gleich die richtige Energie gehabt und war sehr konsequent – da ist er von Tag 1 an ohne Leine gelaufen und hat die Rangordnung nicht einmal in Frage gestellt 😉

    • Ich auch 😀 Er ist einfach toll, ruhig, geduldig, konsequent & souverän, man merkt wie sehr er seine Arbeit mit den Hunden liebt. Mal abgesehen davon hätt ich ihm am liebsten Daddy geklaut – so ein toller Pitbull..aber Junior ist ein würdiger Nachfolger 🙂

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