Der 2. Geburtstag

Oder „Jeder Wissende irrt und jedes edle Pferd stolpert“ (Arabisches Sprichwort).

Wie wahr!

Wie jeden Tag telefoniere ich mit meiner Mutti, besonders gerne, wenn sie gerad vom Reiten zurück ist und mir berichten kann wie s ihm geht und was sie gemacht haben. Vor zwei Tagen ruft sie strahlend an und lacht die ganze Zeit „Du glaubst nicht was uns beim Ausreiten passiert ist!“.. Da war ich noch frohen Mutes und gespannt wo er diesmal Gespenster gesehen hat.. Ein paar Sekunden später war ich dann leichenblass…Er ist im Trab auf dem Boden weggerutscht und meine Mutti hat s grad noch geschafft abzuspringen, bevor er auf die Seite geplumpst ist…Himmel sei Dank,  haben beide nur einen Schrecken und ordentlich Dreck abbekommen…

Zum Lachen war mir dennoch nicht, denn es erinnerte mich stark an den Unfall, den ich am 10. Mai 2008 mit ihm hatte…

Es war ziemlich heiß an dem Morgen und da die Halle noch schön kühl war, wollten wir ne halbe Stunde mit ihm rein. Eigentlich nur mit Gurt und Pad, im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich doch für den Sattel entschieden hab. Mein Mann (damals ja noch Freund) war auch mit dabei. Die Halle war frisch abgezogen, herrlich, wenn man dann als Erste reiten kann. Denkste. Leider wurden die ausgetretenen Löcher nur mit losem Sand „überschüttet“, aber nicht richtig aufgefüllt und beseitigt. Bis zum Galopp ging auch alles gut. Auf der rechten Hand hatten wir gerade die erste halbe Runde hinter uns, da passierte es… Mit den Vorderbeinen ist er in eine Kuhle getreten und ihm hat s die Beine weggezogen… Ich hab mir nur gedacht „Kopf einziehen, gleich knallt’s!“, da hat s auch schon RUMMS gemacht… Mit vollem Schwung sind wir auf die rechte Seite gefallen und er lag halb auf mir… Als er versucht hat aufzustehen hab ich meinen Fuß schnell aus dem Bügel gezogen und bin selbst hoch… Hui… überall Dreck, aber augenscheinlich nix weiter passiert. Shaman stand wie bedröppelt vor mir und hat mich vorsichtig angepustet… Hab ihn dann gleich abgetastet und mir im Schritt und Trab vorführen lassen, alles okay. Bin dann wieder rauf, wenigstens eine Runde im Schritt damit sich das Erlebnis nicht festbrennt. Er ist ganz entspannt am langen Zügel weitergelaufen… bei mir allerdings ging s dann abwärts… Da kullerten die Tränen und mit einmal kamen die Schmerzen… Ich wusste nicht mehr wie ich vom Pferd kommen sollte, konnte mit dem rechten Bein nicht mehr auftreten… Zum Arzt bin ich aber trotzdem erst zwei Wochen später… Ja, ich weiß… Aber ins Krankenhaus wollte ich nicht und auf einem Bein humpeln ging halbwegs… Die Standpauke vom Arzt musst ich mir trotzdem anhören, auch nach den zwei Wochen war der Brustbereich gequetscht, Rippen geprellt und mein Knie im Eimer… aber Shaman hat nichts abbekommen und das ist das Wichtigste.

Wäre ich den Tag nur mit Gurt geritten, wäre ich beim Sturz frontal vor ihn gerutscht und er hätte mich wahrscheinlich mit seinem Gewicht einfach erdrückt. Von daher ist dieser Tag sowas wie ein zweiter Geburtstag für mich…

Komischerweise bin ich noch nie so von ihm gefallen, dafür aber zweimal mit ihm… Das andere Mal war ein Jahr vorher beim Springen. Peinlicherweise war an dem Tag auch noch Springlehrgang. Hab nicht mitgemacht, aber die Gunst der Stunde genutzt für eine kleine Springeinheit. Ging alles glatt, bis die Schweine vom Stall gegenüber Krach gemacht haben… Er war abgelenkt, hat den Absprung verpasst und sich mit einem Vorderbein in den Stangen verheddert… Und schwupps.. .ging s im Salto über s Hindernis für uns… Währenddessen hab ich wohl noch laut gedacht, als ich mich an seinem Hals abstützen wollte „Man ist dein Hals heut rutschig!“… als ich die Augen wieder aufgemacht hab, lag ich ausgestreckt auf dem Rücken und hatte einen Zügel in der Hand. Auch da ist ihm glücklicherweise nix passiert… Nur springen wir seit dem nicht mehr (außer kleine Cavalettis 😉 ). Früher war das Höchste 1,20 m *stolz bin*

Was lernen wir daraus? Immer auf den Boden achten und vorausschauend reiten. Vor allen Dingen, wenn man auf einem Stolpertierchen wie Shaman sitzt, der auch gerne auf schnurgerader Strecke mit den Nüstern im Dreck landet 😉

Zum Abschluss noch ein paar Fotos vom Freilaufen im Winter. Viel Spaß !

 

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20 thoughts on “Der 2. Geburtstag

    • Die Anfangsjahre mit dem “richtigen” Reiten waren schlimmer 😉 Da bin ich bis zu 6 x die Stunde auf dem Boden der Tatsachen gelandet, weil die Pferde im Winter nur drin standen und unkontrollierbar waren 😉 Bei Shaman ist das anders, er ist ja nie “bösartig”, buckelt nicht, geht nicht einfach unkontrolliert durch. Wir haben eine ganz andere Vertrauensbasis *auf Holz klopf* Aber ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem zurück, dann hilft nur tief durchatmen und positive Gedanken 🙂 LG

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag,

    da hattet ihr ja beide schon mehrmals Glück. Wie bist Du eigentlich zum Reiten gekommen? Bist Du auf dem Land aufgewachsen?

    Erstmal liebe Grüße und einen schönen Abend
    Harald

    • Oh ja, mehr Glück als Verstand könnte man meinen 😀 Ja, ich bin ländlich aufgewachsen und seit ich krabbeln kann, reite ich auch 😀 Nach jahrelangem Betteln durfte ich dann mit 10 Jahren regelmäßig zum Reitunterricht. Mit 12 kam die erste Reitbeteiligung, mit 13 das erste Pferd und mit 14 dann Shaman – und er bleibt bis er friedlich über die Regenbogenbrücke galoppiert 🙂

      Liebe Grüße

  2. Ja da wünsche ich dir auch alles Gute und auch volle Genesung und immer schön aufpassen, ich hatte ja auch mehr oder weniger Glück bei meinem Umfaller mit dem Flugzeug, aber nun nach fast 9 Monaten ist alles wie weggeblasen…..
    Glück muss der Mensch haben nur so kann er Alt werden.
    LG und immer festen Sitz.
    Lucian

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