Tierschutz

Ich habe mir lange Gedanken darum gemacht, ob ich mich zu diesem schwierigen Thema äußern möchte. Da mir in den vergangenen Monaten aber immer mehr Beispiele von falsch verstandener Hilfe unter gekommen sind, werde ich nun schreiben, was ich darüber denke.

Tiere sind ein wunderbarer Bestandteil meines Lebens, ein Leben ohne sie ist unvorstellbar. Am liebsten würde ich jeder Fellnase ein schönes Heim geben. Umso schöner ist es zu sehen, dass es noch Menschen gibt die mit Sachverstand und den nötigen finanziellen Möglichkeiten aktiv Tieren helfen und in gute Hände weitervermitteln.

Wie es z.B. die liebe Susanne für Hannoveraner Stute Miranda gemacht hat. Wer die beiden kostenlos mit einem Klick unterstützen möchte, kann das hier tun (geht einmal pro Tag je IP)

http://www.dshini.net/de/spage/wish/9b8d6fd2-6887-f784-4db3-7a9d2b2c871a

Leider gibt es auch die andere Seite. Sogenannte Tierschützer / Tierfreunde die alles retten, was zu retten geht, diese Tiere um jeden Preis am Leben erhalten wollen und sich dann als große Helden feiern lassen. Warum mich das so fassunglos macht? Ein paar Beispiele.

Fall 1: Hund, Dogge, männlich, 9 Jahre. Sehr schlechter Zustand, nur noch Haut und Knochen, kann sich nur schwer auf den Beinen halten. Wahrscheinlich noch eine Wirbelerkrankung, wurde SEXUELL von seinem Besitzer missbraucht, schwere Verletzungen am Anus, Schließmuskel funktioniert nicht mehr richtig. Neben den körperlichen Schäden sind die seelischen nicht abzusehen.

Fall 2: Kater,  noch kein Jahr alt. Sollte auf eine der abscheulichsten Weisen „entsorgt“ werden. Am Glattdraht aufgehangen. Schwer stranguliert wurde er gefunden. Überall entzündete Stellen, schwer unterernährt, Augen können vermutlich nicht mehr gerettet werden. Wird künstlich ernährt, kann nicht mehr selbständig schlucken.

Fall 3: Stute, kam mit sehr krummen Beinen und verkrüppeltem Rücken zur Welt (sieht aus wie ein „U“ der Rücken). Toben auf der Koppel? Fehlanzeige. Reiten oder Fahren? Unmöglich. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten, geschweige denn normal laufen.

Fall 4: Norweger. Ich weiß nicht mehr wie alt er war. Wunderschön anzusehen, gut zu reiten und der beste Weidekumpel von meinem Bamse. Leider wurde er jahrelang fast gemästet, wo er vorher stand. Folge waren ständige Hufrehe und ähnliches. Zum Schluss war es so schlimm, dass das Hufbein kurz vorm Durchbruch stand (nach dem er eingeschläfert wurde, haben sie nachgesehen). Er muss unsagbare Schmerzen bei jedem Schritt gehabt haben. Und er wollte nicht mehr. Ich habe noch nie ein Pferd/ Tier erlebt wo ich das so sagen kann. Wasser hat er zeitweise ganz verweigert, sich dafür in den Stall gequält, den Salzleckstein bearbeitet und sich dann stundenlang in die brütende Sonne gestellt. Unglaubliche zwei Monate lang musste seine Besitzerin davon überzeugt werden, dass es einfach keine Hilfe mehr für ihn gab. Warum sie so lange gezögert hat? Sie wollte ihn nicht verlieren. Dass ihr geliebtes Pferd wegen ihr aber jeden Tag Höllenqualen leidet, hat sie gepflegt ignoriert. Nicht mal beim Einschläfern war sie dabei. Sein letzter Atemzug war ein zufriedener Seufzer.

Ich habe noch ein Zitat einer renommierten Isländerzüchterin im Kopf „Wenn bei mir ein Fohlen geboren wird, verkrüppelt, schwer krank oder sonstwie nicht „lebensfähig“, dann fahre ich es lieber höchstpersönlich zum Schlachter, als es in falsche Hände kommen und ein Leben lang leiden zu lassen.“ Hut ab, kann ich da nur sagen. Auch aus religiösen Gründen wird oft ein Leiden der Tiere verlängert, anstatt es zu beenden. Mir bricht es das Herz, wenn ich an einige der Marwari-Pferde der Inder denke. Todkrank, verkrüppelt und doch dürfen sie sie nicht töten.

Es ist lobenswert Tiere aus schlechter Haltung zu holen und ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Arko, schwarzer Schäferhund war so ein Fall, auch unsere Katzen wurden allesamt vor dem sicheren Tod bewahrt, durch tierliebe Menschen. ABER man darf dabei die Realität nicht aus den Augen verlieren und wenn eine „Rettung“ nur jahrelanges weiteres Leid eines Tieres zur Folge hat, dann ziehe ich eine schnelle, schmerzlose Tötung des Tieres vor. So wie ich es mir auch für die anderen „Fälle“ gewünscht hätte. Mal ehrlich, eine 9 jährige Dogge hat keine lange Lebenserwartung mehr, mit den körperlichen und seelischen Schäden wird er für den Rest seines Lebens zu kämpfen haben. Schmerzen, ständige Tierarztbesuche sind sein Alltag. Ein neues Heim für ihn finden? So gut wie unmöglich. Auch dem Kater wird es nicht viel besser ergehen. Wie viel Leid muss ein Tier denn bitte noch durchmachen, bevor es erlöst wird?? Ich bin nicht Gott und habe mir schon oft anhören müssen, dass ich nicht über Leben und Tod zu entscheiden habe. Im gleichen Atemzug sagen mir dann aber auch genau diese Menschen Sätze wie: „Auch Bandwürmer haben ein Recht auf Leben!“. Hier zeigt sich deutlich wie weit sie sich vom eigentlichen Tierschutz schon entfernt haben.

Es ist nie leicht ein Tier gehen zu lassen, sich einzugestehen, dass man nichts mehr tun kann. Aber gibt es nicht auch genug „gesunde“ Tiere, die es wert sind ein schönes Heim zu bekommen? All das Geld, die Zeit die „sinnlos“ in hoffnungslose Fälle investiert wird, bleiben eben diesen vorenthalten. Und das finde ich nicht richtig. Tierschutz ja, aber nicht um jeden Preis.

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11 thoughts on “Tierschutz

  1. Ich mag Tiere auch sehr gerne, ich finde Tierschutz ist wichtig, aber genau wie du nicht um jeden Preis !

    Sehr schöner Blog der uns mal wieder zeigt, manche Menschen sind einfach herzlos!

    Mir wurde schon früh beigebracht, das Tiere Lebewesen sind, aber nicht über den Menschen stehen. Repektvoller Umgang mit Tieren zu erlernen ist von klein auf an wichtig…uns wurde das schon als Kindern so gesagt…”Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz !”

    So habe ich das auch meinem Kind beigebracht.

    LG TB

    • Dem kann ich nur zustimmen. Unsere Tiere waren immer Familienmitglieder, hatten und haben aber immer auch ein artgerechtes Leben. Danke für Deinen Besuch bei mir, LG

  2. Das ist das Hauptproblem unserer Gesellschaft, dass gerade Hunde nicht mehr als das angesehen werden was sie sind. Hund = Tier. Genau deswegen treten bei den Haltern immer mehr Probleme auf, weil sie den Hund auf die Stufe Mensch stellen. Tierschutz ist gut aber er sollte auch richtig und dosiert angewendet werden ohne die Realität aus den Augen zu verlieren.

    • Unsere Tiere sind Familienmitglieder, ganz klar, aber es sind und bleiben Tiere. Mit eigenen Bedürfnissen. Sie zu vermenschlichen schadet Mensch und Tier, ebenso sie zwingend am Leben zu erhalten, wenn es nur weiteres Leid bedeutet.

  3. Ich schliesse mich deiner Meinung an.
    ich hatte letztlich mal nach einer Tankerkatastrophe gesehen, da haben sie verölte Seehunde geputzt und probiert alles erdenklich zutun um sie am Leben zuerhalten, das ist schön und verdient auch meinen größten Respekt, aber was diese Tiere für Qualen erleiden das sieht keiner und eine erlösende Spritze wäre da.
    Einen Tag später man glaubt es kaum da hat man gebracht wie man an einem anderen Ufer in einem anderen Land Seehund erschlägt weil sie über Handnehmen….junge junge da stimmt die Welt nicht mehr.
    LG
    Lucian

    • Das ist die traurige Realität 😦 Ich finde es auch toll, wenn sie versuchen Tiere aus Katastrophengebieten zu retten, aber nicht, wenn sowieso kaum noch Hoffnung besteht bzw. diese dann unsagbare Qualen leiden müssen. Da ziehe ich weiter die erlösende Spritze für die Tiere vor… Liebe Grüße

  4. Vielen Dank für deine offenen Worte! Auch ich bin der Meinung, dass man ein Tier nicht unter dem Deckmantel des “Tierschutzes” leiden lassen darf. In den von dir o.g. schweren Fällen hätte man die Tiere würdevoll gehen lassen müssen.
    In jedem einzelnen Fall (auch bei schweren Erkrankungen, Unfällen) muss man sich FÜR die Lebensqualität eines Tieres einsetzen. Kein Tierhalter oder Tierarzt kann sich in ein krankes Tier hinein versetzen, und ich kenne viele Tiere (Katzen), die bei Krebserkrankungen einen langen Leidensweg hatten, weil sie zu Tode therapiert wurden. Das ist egoistisch und verantwortungslos und hat mit Tierliebe nichts zu tun!
    Liebe Grüße, Brigitte

  5. Pingback: Schoep | Wolke's Welt 2

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